"Viele sagen es gehe nicht ums Geld." - André Transier im Interview - ⚽️ TSV Cossebaude e. V.

Tsv-cossebaude.de hat sich mit André Transier, dem sportlichen Leiter der Herren, zum Gespräch getroffen. Dabei entwickelte sich ein interessantes Interview, in dem der 52-Jährige Einblicke in seine tägliche Arbeit gab, auf seine Zeit als Trainer der ersten Herren zurück blickte und über die Philosophie des Vereins sprach.

André, fangen wir mit deinem persönlichen Hintergrund an. Wann und wie bist du zum TSV Cossebaude gekommen und wie hat sich deine sportliche Laufbahn daraufhin entwickelt?

Angefangen habe ich als Handballer in der Jugend. Ich war recht talentiert und auf dem Sprung zur Sportschule, der Schulwechsel kam aber leider nicht zu Stande. Ich glaube dass mein Vater, der aus den alten Bundesländern stammt, gewissen Entscheidungsträgern ein Dorn im Auge war. Da auch meine Geschwister sich nicht so verwirklichen konnten wie gewünscht, liegt diese Vermutung nah. Also ging ich zum Fußball und spielte in Görlitz. Angefangen habe ich bei der BSG Motor WAMA Görlitz (heute Gelb-Weiß Görlitz), bin dann über Traktor Deutsch/Ossig zur ISG Hagenwerder gekommen. Dort habe ich damals gemeinsam mit Heiko Scholz, dem heutigen Trainer von Lok Leipzig, gespielt. 1988 in Dresden angekommen ging ich zum VFB 90 und spielte dort bis 1992. Dann folgte der Wechsel nach Cossebaude und unter dem damaligen Trainer Jürgen Straßburger gelang uns 1998 der Aufstieg in die Bezirksliga. Im Februar darauf musste ich mich für eine Bandscheibenoperation unter das Messer legen und habe den Fußball etwas ruhen lassen. Der Reiz war aber immer da und so habe ich etwas später wieder beim VFB 90 angefangen. Das war damals unter den Trainern Klaus Hoyer und später Bernd Noack. Der Rücken hielt und Cossebaude wollte mich erneut für sich gewinnen, also bin ich wieder zurück an den Gohliser Weg gewechselt. Unter Jürgen Straßburger bin ich allmählich in die Rolle des Spielertrainers hinein gewachsen und als der Posten vakant wurde bin ich gänzlich eingesprungen. 2009 sind wir aus der damaligen Stadtliga Dresden in die Bezirksklasse aufgestiegen, 2013 sogar in die Bezirksliga Ost. Nach dem Abstieg im Jahr 2015 in die Sparkassenoberliga wechselte ich in die sportliche Leitung und in dieser Funktion bin ich heute noch tätig.

Du hast es angesprochen, im zweiten Jahr in der Bezirksliga (Landesklasse Ost) konnte die Klasse nicht gehalten werden und du bist anschließend von der Trainerbank in die sportliche Leitung gewechselt. Wie kam es dazu und was waren die Gründe dafür?

Das erste Jahr in der Bezirksliga lief noch gut. Für uns war alles neu, die Gegner haben uns unterschätzt, alle haben voll mitgezogen und jedem war bewusst was er investieren muss. Im zweiten Jahr habe ich diese Einstellung bei einigen vermisst. Zudem hatten wir keinen großen Kader und so machte sich das unweigerlich in den Ergebnissen bemerkbar. Im Laufe der Saison war es abzusehen dass es am Ende sportlich nicht reichen sollte. Ich war inzwischen, zusammen mit meinen Jahren als Spielertrainer, seit neun Jahren für die Mannschaft verantwortlich. Da schliffen sich viele Dinge ein und stumpften ab. Ich konnte mir ein weiteres Jahr als Trainer nicht vorstellen und bin nach wie vor der Überzeugung, dass diese Entscheidung die richtige war. Es benötigte neue Impulse und frischen Wind für die Mannschaft. Der Vorstand ist daraufhin auf mich zugekommen und fragte mich, ob ich mir die Position des sportlichen Leiters vorstellen könnte. Da ich mich nicht nur den Alten Herren als Spieler widmen wollte, hatte ich kein Problem damit und sagte zu.

Wie muss man sich deine Aufgaben als sportlicher Leiter vorstellen?

Im Prinzip bin ich das Bindeglied zwischen dem Vorstand und unseren Männermannschaften. Dabei agiere ich lieber im Hintergrund, ich bin kein Freund davon mich an vorderster Front zu postieren und große Reden zu halten. Einzelgespräche mit den jeweils betreffenden Leuten zu führen ist die für mich sinnvollere Variante. Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Organisatorische Dinge gehören dazu, besonders in Bezug auf die erste Männermannschaft nimmt mir Raimund Wolf viel ab und hält mir den Rücken frei. Der Informationsfluss vom Vorstand zu den Mannschaften und umgekehrt ist ebenso ein wichtiger Bestandteil. Da gibt es auch mal Reibungspunkte, unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander, aber das liegt in der Natur der Sache. Da wird nicht auf den Tisch gehauen, ich versuche immer ein wenig das Gleichgewicht zu halten und wir finden mit den betreffenden Personen gemeinsam eine Lösung. Wir haben eine gewisse Ruhe im Verein was nicht selbstverständlich ist, dafür aber umso wichtiger. Wichtig ist dass die Leute wissen, sie können immer an mich herantreten, egal mit welchem Anliegen.

In der täglichen Arbeit sind die Tätigkeiten als sportlicher Leiter und Trainer unterschiedlich. Vermisst du gewisse Dinge aus der wöchentlichen Arbeit mit einer Mannschaft?

Im ersten Jahr war es definitiv eine Umgewöhnung. Als Trainer hast du einen viel größeren Zeitaufwand den Außenstehende gar nicht wahrnehmen. Dinge wie die Trainingsplanung zum Beispiel fallen auf einmal weg und es ergeben sich Freiräume. Der Rhythmus von Training und Spieltag hat besonders im ersten Jahr gefehlt, aber mein Beruf konnte diese Freiräume gut für sich einnehmen. Mein Aufgabenbereich wurde größer und damit auch die Arbeitszeiten länger. Ein erneutes Traineramt würde eine enorme Umstellung meines gesamten Ablaufes bedingen, daher bereue ich den Schritt nicht.

Kommen wir zu der abgelaufenen Saison. Die erste Mannschaft belegte am Ende den 5. Tabellenplatz mit 44 Punkten in der Sparkassenoberliga. Wie beurteilst du die Leistung der Mannschaft, auch im Vergleich mit den letzten Jahren?

Ziel war Platz 3, den hatte die Mannschaft einen Spieltag vor Schluss auch noch inne. Jetzt wurde das Ziel um zwei Punkte verfehlt, das ist unter der gegebenen Konstellation zum Saisonende kein Beinbruch. Wichtig und entscheidend ist dass man am Ende eine Entwicklung sieht und das war in diesem Jahr gegeben. Im ersten Jahr nach dem Abstieg war dies noch nicht der Fall. Der Trainer war neu und die neuen Abläufe mussten sich erst finden und greifen. Mittlerweile sieht man im taktischen und spielerischen Bereich Fortschritte  und auch die Zahlen sprechen positiv für sich. Wir haben diesbezüglich mit Dirk Hartmann einen richtig guten Trainer verpflichtet, sportlich bringt er viel mit und darüber hinaus auch die ein oder andere Beziehung die auch den Verein einen Schritt weiter bringt. Es wird inzwischen auch, wenn man das im unteren Amateurbereich so nennen kann, professioneller gearbeitet. Mittlerweile gibt es die Möglichkeiten an die man vor fünf oder sechs Jahren in dieser Ebene noch nicht gedacht hat. Unter anderem gab es im letzten Trainingslager eine umfangreiche Videoanalyse. Wichtig ist dass die Spieler die Informationen auch verinnerlichen und im nächsten Schritt anwenden. Mittels der Analyse kann man den Lernprozess beschleunigen und Fehlerbilder verdeutlichen, um somit zu zeigen dass es auch einfachere Lösungswege gibt.

Die Sparkassenoberliga hat unter anderen mit dem Dresdner SC interessante Teams dazu bekommen. Was traust du der Mannschaft bei diesem Teilnehmerfeld in der Endabrechnung zu?

Mit dem TSV Rotation Dresden ist die dominante Mannschaft aus der letzten Saison in Richtung Landesklasse aus der Liga raus. Es kristallisiert sich kein deutlicher Favorit auf den Staffelsieg für mich heraus. Beim Dresdner SC muss man sehen welche personellen Veränderungen geschehen und wie sie sich in der Liga einleben. Das waren in meinen Trainerjahren immer schöne Duelle, eine Mannschaft die immer Fußball gespielt hat und nicht destruktiv agierte. Dann sind ein paar Mannschaften in der Liga mit denen bist du auf Augenhöhe, von daher gehen wir mit dem gleichen Ziel wie im letzten Jahr an den Start. Das ist auch das was wir der Mannschaft zutrauen.

Im unteren Amateurbereich, wie zum Beispiel der Sparkassenoberliga, gibt es mittlerweile Kooperationen mit höherklassigen Klubs. Auch finanzielle Zuwendungen für einzelne Spieler sind keine Seltenheit. Inwiefern erschweren solche Gegebenheiten es externe Spieler für den Verein begeistern zu können?

Das macht es schwierig. Es ist auch das Spiegelbild eines gesellschaftlichen Problems, es soll maximaler Gewinn mit minimalem Aufwand generiert werden. Ich spreche da aus meiner Erfahrung als Trainer, als ich an Neuzugängen gearbeitet habe. Viele sagen es gehe nicht ums Geld, im Endeffekt sind diese dann aber nicht gekommen weil es doch ums Geld ging. Hinzu kommt mitunter fehlende Ehrlichkeit. Es ist mittlerweile selten geworden dass dir jemand ganz klar sagt: „Nein danke, ich komme nicht.“. Da wird man lange hingehalten um am Ende viel Zeit für wenig Ertrag investiert zu haben. Da ist ein ehrliches „Nein“ viel wert. Darüber hinaus machst du meiner Meinung nach gerade jungen Spielern mit hohen Angeboten auch keinen Gefallen. Es ist allein schon für die charakterliche Entwicklung nicht besonders förderlich.

Ist die Entwicklung des modernen Fußballs nun auch im unteren Amateurbereich angekommen und kann Erfolg nur noch mit solventem Hintergrund generiert werden?

Wenn du einen richtig guten Nachwuchs hast, der auch etwas höherklassig auf Landesebene spielt, dann ist der Erfolg auch machbar. Wenn du mit diesem Konzept der eigenen Nachwuchsförderung zum Beispiel in der Landesklasse bestehen kannst, dann hast du eigentlich den Nachweis erbracht als Verein sehr gut zu arbeiten. Da fliesen aber viele Kriterien mit ein, zum Beispiel sollte die Mannschaft auch über Jahre zusammenbleiben. Wäre ich Trainer bei einem Verein mit verhältnismäßig hohen finanziellen Mitteln, ich weiß nicht ob ich dann auch so handeln würde. Fertige Spieler aus den Nachbarländern verpflichten und auf den schnellen Erfolg hoffen. Aber man muss sich halt die Frage stellen, was passiert wenn das Geld eines Tages mal nicht mehr da ist? Dann bricht ganz schnell alles zusammen, das hat man bei vielen Vereinen gesehen. Ich persönlich bin dagegen und in Cossebaude verfolgen wir auch eine andere Philosophie.

Du sprichst die Vereinsphilosophie an, diese beinhaltet Nachwuchsspieler zu entwickeln und diese in die Männermannschaften zu integrieren. Welches Fazit ziehst du unter diesen Aspekt?

Die Durchlässigkeit vom Nachwuchs in den Herrenbereich ist in den letzten Jahren deutlich höher geworden. Man darf nicht vergessen dass ältere Spieler irgendwann einen Schritt zurück machen und an diesem Punkt ist es wichtig dass die Jugend nachrückt. Der 96er Jahrgang war ein guter, unter anderem mit Richard Richter der Pech mit seiner Verletzung hatte, jetzt aber wieder zeigt was er kann. Auch in der jetzigen U19 gibt es Spieler die bereits im Blickfeld sind, ich denke da zum Beispiel an Konrad Möbius der im letzten Trainingslager einen guten Eindruck hinterlassen hat. Die Wechselwirkung ist da wirklich förderlich, der junge Spieler will es dem älteren zeigen was er kann. Andersrum will der ältere Spieler dem jungen Spieler zeigen dass die Trauben hoch hängen. Am Ende profitiert die Mannschaft und wenn in jedem Jahr im Schnitt zwei Spieler aus der U19 nachrücken und auch bleiben, dann hilft das sehr viel weiter.

André, wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir weiter alle Gute.